Das Hochwasser am Pilcomayo hat am Wochenende weite Teile im westlichen Chaco überschwemmt

Vor einer Woche hatte der Leiter der Pilcomayo-Kommission, Darío Medina, schon angekündigt, dass der Fluss mit einer Wucht kommt, die selbst Experten ungewöhnlich vorkam. Deshalb war man in Paraguay schon in Alarmbereitschaft, als in Bolivien, am Oberlauf des Pilcomayo, Alarmstufe Rot herrschte. Am Donnerstag ging der Fluss bei Pozo Hondo über die Ufer. Der Hauptdamm, der vor ein paar Jahren dort mit moderner Technik gebaut wurde, hält. Ein Nebendamm weichte aber nach tagelangem Regenwetter und durch die brausenden Wassermassen auf und das Wasser suchte und fand seinen Weg landeinwärts.    

Noch am Donnerstag brach eine Delegation von Behörden auf, um sich in dem westlichen Grenzgebiet zu Bolivien und Argentinien ein Bild von der Lage zu machen. Am Freitag kündigte man Hilfslieferungen und Arbeiten am Damm an und übers Wochenende kam die Hilfe dann auch vor Ort an. Unser Kollege, Lucio Romero, reiste mit einer Delegation der Departamentsregierung Boquerón nach Pozo Hondo. Nach seinen Beobachtungen wurden Hilfsgüter, darunter 10 tausend Kilogramm Lebensmittel mit LKW bis Infante Rivarola gebracht, und von dort aus per Helikopter in die betroffenen Gebiete weiter südwestlich gebracht. – Nach bewohnte Gebiete in und um Pozo Hondo, Pedro P. Peña und La Pava, die von Wasser umringt sind. Vor Ort waren Vertreter folgender Behörden im Einsatz: Katastrophenschutz, Sen, Gesundheitsministerium, Innenministerium, Bürgermeisteramt Mariscal Estigarribia und Gobernación Boquerón, außerdem der Behörde für indigene Angelegenheiten, Indi.    

Auch weiter südlich kündigte das Hochwasser sich bereits vorige Woche an. Aus Margariño berichtete man dann schon, dass der Kanal voll Wasser ist. In Richtung Cacique Sapo wurden stellenweise Wege überflutet. Mit dem Hochwasser einher geht auch die starke Verschlickung des Flussbettes mit Sedimenten und die Blockade von Abflüssen durch mitgeschwemmte Vegetation. In überschwemmten Gebieten wurde mit der Hilfe von Anwohnern und Estanzia-Besitzern der Zone zusammen gearbeitet, um die Wasserwege von Schlick, Schwemmholz und anderem Material zu befreien. Man erwartet, dass im Süden viel Wasser über den Kanal „26 de Agosto“ in Richtung des Sumpfgebietes Estero Patiño abfließt.    

Laut Medina werden stündlich bei der trinationalen Pilcomayo-Kommission Informationen ausgetauscht, damit man an den verschiedenen Stellen die Situation einschätzen und vorausplanen kann. Die Katastrophenschutzbehörde, Sen, richtet eine Kommandozentrale in Joel Estigarribia ein, – das ist von Pelícano noch weiter landeinwärts in Richtung Südosten. Von dort aus sollen als nächstes Hilfseinsätze koordiniert werden. Wie unser Kollege berichtet, ist die Hochwasser-Situation in Argentinien weitaus schlimmer. In dem Nachbarland, das gewöhnlich deutlich mehr Wasser vom Pilcomayo bekommt, sind die Siedlungen im Einzugsgebiet jetzt so weit überschwemmt, dass auch die argentinische Militärbasis im Dreiländereck verlassen wurde. Seit dem 10. Februar, wo der Fluss dermaßen viel Wasser bringt, waren bereits in Bolivien und Argentinien erste Dörfer evakuiert worden. Auf paraguayischem Gebiet wurden noch keine Orte umgesiedelt. Lediglich das Vieh wurde an höher gelegene Stellen gebracht. (ZP-30/Archiv)